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27.08.2025 | Mostar – Sarajevo: Der volle Zug


Wir schlafen aus. Als BiBa uns nach dem erwachen hört, ruft sie umgehend „kava, kava“ nach oben und schon steht sie mit einem Tablett Kaffee auf der Treppe. Wir freuen uns und geniessen diesen nochmal auf dem Balkon. Anschliessend packen dann unsere sieben Sachen zusammen und dürfen unsere Rucksäcke noch bei BiBa deponieren bis wir auf den Zug müssen. Kurz nach 10 Uhr sind wir in den Gässchen Mostars unterwegs. Dabei entdecken wir auch ein kleines Seitenflüsschen mit einer Miniversion der Stari Most, der Kriva Ćuprija. Noch herrscht wenig Betrieb und wir suchen ein hübschen Frühstücksplätzchen, das wir im Restoran Kaldrma finden. Mitten im Zentrum der Altstadt, nahe der Stari Most gelegen und abends wohl mit Touristen überfüllt, sind wir jetzt praktisch alleine. Kurzzeitig befürchten wir, noch von einer Touristengruppe überrannt zu werden, ein Guide kommt die Terrasse besichtigen, wahrscheinlich jedoch erst für abends, so bleibt es hier noch etwas ruhig… Wir sitzen auf der gedeckten Terrasse (es ist bereits jetzt warm und die Sonne brät…), mit Sicht direkt auf die Gässchen unter uns. Mit zwei, drei Platten stellen wir uns einen kleinen Brunch zusammen und essen sehr lecker (und viel… 😋🫣).

Gestärkt machen wir uns dann auf den Weg, noch andere Ecken, abseits der Stari Most, zu entdecken. Erstes Ziel ist die Franjevačka Crkva u Mostaru. Gleich daneben ist ein Carparkplatz und bereits sind die ersten Cars hier und laden ihre Tourigruppen aus… Wir belassen es bei der Besichtigung mit den Blicken von aussen und verzichten auf ein Besteigen des Glockenturms. Dann spazieren wir weiter, so langsam wieder in Richtung Altstadt und kommen dabei an einem Kulturzentrum vorbei, in dessen „Vorgarten“ wir einige alte Steine entdecken, die wir uns genauer ansehen, es handelt such u.a. um Pflastersteine der alten Stari Most. Wir lassen uns weiter treiben. Das Hamam-Museum hat leider geschlossen, es ist nicht ganz klar, ob heute oder grundsätzlich. Daneben ist eine Moschee, wir lassen deren Besichtigung aus und erfrischen uns am danebenliegenden Brunnen. Dabei entdecke ich ein kleines Café und wir beschliessen, hier etwas zu trinken. Das Café de Alma ist wirklich süss, draussen hat es nur wenige Plätze und alles sieht sehr liebevoll hergerichtet aus. Denise bestellt einen Rose-Juice, ich einen Bosnischen Kaffee 😋. Unsere Getränke werden serviert und wir erhalten dabei eine kleine Einführung ins traditionelle Trinken des Bosnischen Kaffees. Ich trinke diesen ja schon lange immer wieder und mag ihn sehr, aber einiges davon habe ich bisher auch noch nicht gewusst. Auch in diesem Café kommen nun weitere Menschen an, belegen die Plätze. Und immer wenn ein Bosnischer Kaffee bestellt wird, folgt für diejenigen (und teils auch gleich weitere, die einen solchen noch erhalten) eine kurze Einführung. Wir geniessen die kleine Auszeit hier.

Über die Stari Most, auf der gerade das Brückenspringen zelebriert wird, flanieren wir wieder durch den Bazar, der obligate Kühlschrank-Souvenir-Magnet für Denise wird hier erworben und die Bosnischen Kaffeeservice bestaunt, wir kaufen jedoch (noch) keine. Langsam kommt auch der Hunger wieder und wir statten dem Restoran Neretva nach gestern Abend erneut einen Besuch ab. Es liegt nicht ganz so schön, ohne Blick auf Neretva oder Stari Most, so ist es dafür auch nicht gleich überfüllt wie andere Lokale. Und das Essen ist auch ganz in Ordnung.

Gesättigt gehen wir weiter, lassen uns ins Bišćević House, ein Museum eines osmanischen Hauses, treiben und besichtigen dieses. Wir sind praktisch alleine und müssen noch kurz warten, da sie gerade noch einen Teil am staubsaugen sind. Es ist nicht gross, aber noch spannend, zu sehen, wie ein solches Haus zu früheren Zeiten aufgebaut war. Wir spazieren weiter, teils auch etwas ausserhalb der Touristenströme, halten die Augen offen und entdecken immer wieder das eine oder andere interessante Gebäude. Dann machen wir uns doch langsam auf den Weg zurück zu BiBa, es ist etwa halb Drei. Bevor wir unsere Rucksäcke bei BiBa abholen, kaufen wir noch etwas Proviant im nahen Konzum ein. Dann erhalten wir bei BiBa unsere Rucksäcke, verabschieden uns und spazieren zum Taxi-Stand, wir haben beschlossen, nicht wieder die ganze Strecke zu Fuss und mit Rucksäcken zu laufen, sondern die „bequemere“ Variante zu wählen.

Und so sind wir kurz nach 16 Uhr am Bahnhof. Hier setzen wir uns in eine Bar, es ist noch etwas früh und das Perron wird erst kurz vor der Zugabfahrt geöffnet. Ich bin entspannt, Denise weniger. Es sind (sehr -anm. Denise) viele Leute in dieser Bar und allgemein um den Bahnhof herum, sie befürchtet, wir haben keinen Platz im Zug 😔. Ich versuche ein wenig zu beruhigen, was mir nur mässig gelingt. Gegen 17 Uhr können wir aufs Perron, mit zahlreichen anderen Menschen… Nun warten wir hier, Denise ist weiterhin angespannt. Der Zug rollt ein, Menschen steigen aus, Menschen (und wir auch) steigen ein. Ein Gewusel, Gedränge, doch dann finden alle Platz, im Zug und sogar fast alle einen Sitzplatz. Auch Denise kann sitzen, ich stehe daneben. Alles nochmals gut gegangen. Der Zug fährt los in Richtung Sarajevo. Die Ausblicke aus dem Fenster sind grossartig, entlang der Neretva, durch hügelige, bergige Landschaften… Ich habe die Strecke in umgekehrter Richtung schon mit dem Velo gemacht, auch damals schon habe ich diese Strecke sehr schön in Erinnerung behalten. Denise Sitzplatznachbarin ist etwas speziell, wohl „etwas besseres“ führt sich jedenfalls ein wenig so auf und scheint wenig begeistert, dass noch jemand neben ihr sitzt… Uns egal 🤣. Nach etwas mehr als der Hälfte der Strecke bieten uns einige junge Musiker in einem etwas weiter vorne gelegenen Viererabteil ihre Sitzplätze, damit wir beide zusammen sitzen können. Sehr freundlich und wir bedanken uns. Gegen halb Acht erreichen wir, mit leichter Verspätung, Sarajevo.

Es erwartet uns ein kleiner Fussmarsch, den wir aber nach dem langen Sitzen im Zug gerne machen und hier jetzt auf ÖV und Taxi verzichten. Zuerst geht’s der grossen Strasse entlang, danach erreichen wir die Miljacka und spazieren dieser entlang. Ich muss noch Geld abheben mit meiner digitalen Bankkarte, um die Unterkunft zu bezahlen, es wird hier wieder Bargeld bevorzugt und nicht alle Bankomaten sind tauglich für das Abheben mit dem Smartphone. So erreichen wir das Basarviertel, hier klappt’s mit dem Geldabheben. Bald darauf haben wir die Unterkunft erreicht, werden hier schon fast erwartet und können unser Aladin-Apartmani gleich beziehen. Die Besitzer sprechen sogar Deutsch. Dann kommen wir erst einmal an. Denise will nichts mehr, ich habe noch Hunger und will noch kurz auf dem Basar etwas kleines essen gehen, der „Nuss-Gate“ von Edirne wirkt bei uns beiden noch nach, so bleibt Denise im Appartement, ich drehe auf dem Basar noch eine Runde.

Danach geht es, nach einem eindrücklichen, schrittreichen und (emotional-) intensiven Tag ins Bett.


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