Um 04.50 Uhr weckt mich der Wecker mit dem Schweizerpsalm. Schlaftrunken schalte ich den SRF-Stream ein, es folgt gerade die Schweizer Nationalhymne. Das Match, 1/16-Final gegen Algerien, beginnt um 05.00 Uhr. Ich schaue mit einem Auge, das andere schläft weiter, im Wechsel… Denise döst ganz („ich höre Podcast“). Spätestens nach der zweiten ‚Hydration break‘ döse ich auch wieder… Aber wir bekommen den glamourösen Sieg mit und feiern diesen mit einer weiteren Runde Schlaf 😂😴😅. Kurz vor 9 Uhr erwache ich dann wieder, Denise ist schon etwas eher wach. Ich mache kalten Nescafé aus dem Tütchen, dazu „Astronauten-Gipfeli“ 🤪. Später noch eine zweite Runde Kaffee, der misslingt, da ich ausversehen Sprudelwasser genommen habe 😝. Wir machen uns fertig, gehen die Fussgängerzone entlang zur Zentralmoschee, können diese gleich besichtigen, hier wird die Kleiderordnung nicht so ernst genommen, Denise richtet ihr Kopftuch, da meint eine Frau ’no problem, no problem‘. Nach dem Besuch gehen wir zum BIG market und kaufen Tagesgetränke ein und schauen bei der Interurban-Bushaltestelle bzgl. Busverbindungen nach Kruja. Sieht nicht so gut aus. Hier würde man uns via Tirana schicken, Denise fragt bei unserem Vermieter Edi nach (er hat sich schon frühmorgens gemeldet und gefragt, ob alles gut sei), er meint jeweils um 16.30 Uhr würde ein Bus direkt fahren… Travel Gjiraffa meint das auch… Dann wären wir so nach 18 Uhr dort, für eine Nacht eher spät… Edi, unser Vermieter, meint, sein Bruder würde um ca. 13.00 nach Tirana, er könnte uns mitnehmen bis Kruja. Doch er fährt heute, wir wollen erst am Sonntag nach Kruja. Taxi wäre rund 90 €, über Tirana ist uns auch zu aufwändig… Mal sehen. Wir spazieren am LC Waikiki vorbei, Denise dreht da eine Runde, ich kläre in der Zwischenzeit bzgl. der Tandem-Miete. Kein Kauf im LC Waikiki, Tandem verfügbar, Zwischenstopp im DeFacto (ein anderer Kleiderladen hier), dann einen kalten Kaffee in einer eher illustren Bar (wir hatten schon deutlich bessere ‚Cafe freddo’…). Dann holen wir das Tandem im Restaurant Fiesta (da, wo wir gestern zu Abend gegessen haben), ein altes Modell [ Anm. Denise: Ich würde sagen ein Oldtimer Modell]. Wir wollen an den Shkodrasee nach Shiroka, auf dem Rückweg auf die Rozafa-Burg und in die Madrasa-Moschee. Wir fahren los, nicht ganz so einfach, insbesondere der Start. Doch es geht. Ich sitze vorne, lenke, bremse und pedale, Denise sitzt hinten und pedalt, so gut wie blind, da sie nicht über mich drüber sieht 😅🙈. Es hat hier Velospuren, die von der Strasse mittels Plastikpföstchen getrennt sind, so kommen wir relativ sicher durch Shkodras Verkehr. Stellenweise steigen wir ab und schieben es, z. B. über Kreisel (da die Velospur auf der linken Fahrseite ist und wir doch noch nicht ganz so locker easy auf dem Tandem unterwegs sind 😉). Wir nehmen eine Abzweigung in eine Nebenstrasse, diese wird zum Fussgängerweg (da schieben wir auch) und später zur Baustelle mit Kiesweg (dito…). Wir sehen und hören weiter vorne eine Moschee, nicht den klassischen Ruf des Muezzins, sondern eine Art mantraartiges Musikgebet… Wir laufen und schieben, es kommt eine Brücke mit Holzdielen, die hat die besten Zeiten auch schon hinter sich, bringt uns aber noch sicher über den Bruna. Auf den Brückengeländern stehen, fast wie Statuen, Angler mit ihren Ruten. Auf der anderen Seite angekommen, steigen wir wieder auf und wollen losfahren. Es geht irgendwie nicht mehr ganz, bei mir dreht’s durch. Zwei Jungs am Strassenrand deuten auf die Kette und sagen etwas, wir halten an. Der eine Junge versucht an der Kette zu hantieten, der Kettenschutz behindert seine Arbeit, ich komme auch nicht weiter. Wir schieben das Tandem etwas weiter, hier direkt auf der Strasse ist kein guter Flickplatz. Zwei Kurven weiter kommt ein Parkplatz mit etwas Schatten. Hier versuche ich die Kette wieder einzuhängen, was nur mässig gelingt. Sie hängt immer gleich wieder aus. Und ich sehe nicht, woran es liegt, der Kettenschutz, schon etwas älter, brüchig und nicht entfernbar (ohne ihn zu zerstören), verhindert eine gute Übersicht und Reparatur. Nach mehreren Versuchen gebe ich es auf. In der Zwischenzeit hat Denise weiter mit Edi geschrieben, sein Bruder würde uns am Sonntag für 50 € anfangs Nachmittag nach Kruja fahren… Das klingt nach einem guten Angebot, das wir dankbar annehmen. Wir fahren ein kurzes Stück, Denise pedalt, ich lenke nur noch. Dann wechseln wir, Denise lenkt und ich pedale. Es ist mehrheitlich flach und so kommen wir doch relativ zügig vorwärts und bis nach Shiroka. Wir machen ein paar Fotos auf den Shkodra-See, ich versuche nochmals die Kette einzuhängen, einige Velofahrer in der Nähe wollen helfen kommen, können aber ebenfalls nichts ausrichten. Wir stellen unser Tandem ab und setzen uns daneben ins Restaurant Shkodra Lake. Es ist jetzt kurz vor 14 Uhr, wir bestellen zu Mittag. Meine Bestellung, Byrek, kommt erst jetzt dann in den Ofen, daher wird mir was anderes empfohlen. Auch gut, das Essen schmeckt, auch wenn wir etwas länger warten mussten.
Gestärkt vom Essen, machen wir noch ein paar Schritte entlang dem See, Denise möchte dann langsam retour, es sind einige Wolken aufgezogen. Und ich habe meinen Pass als Depot fürs Tandem hinterlegt. Ich stelle den hinteren Sattel noch höher, so dass ich besser pedalen kann, dann radeln wir retour auf dem Veloweg, ich pedalend (und ab und zu fotografierend…), Denise lenkend und bremsend [Anm. Denise: Ich habe prächtigen Fahrtwind und fühle mich wie auf einer Rikscha😀]. So kommen wir recht gut und zügig voran, erreichen die Brücke, nehmen jetzt aber die Strasse und fahren zur Rozafa-Burg. Wir sind beide gerade nicht so in Burgbesichtigungs-Laune und so lassen wir die Besichtigung und fahren weiter. Bei der Medresa-Moschee machen wir einen Halt. Sie ist von aussen schön, es ist jedoch niemand da weit und breit (ausser einem Mann, der im verglasten Vorraum der Moschee schläft)und die Türen sind geschlossen. Wir haben uns nicht dafür, einfach hineinzugehen und verzichten daher auf eine Besichtigung. Von hier an schieben wir das Tandem wieder, wir sind mit nur halb funktionierendem Tandem zu wacklig unterwegs für den Strassenverkehr. Unterwegs sehen wir noch einige beeindruckende Fassadenmalereien, bereits in Tirana haben wir diverse solche Streetart-Bilder entdeckt. So bringen wir unser Tandem früher wie geplant wieder zurück. Unser Fazit: Grundsätzlich macht das Tandemfahren doch Spass, wenn es ein funktionierendes ist 😉.
Wir spazieren nun zum Mulliri, eine Art albanischer Starbucks. Hier geniessen wir kalte Getränke, ich einen Frappuccino Caramel, Denise einen Ice-Matcha mit Strawberry. Mmhhmmmm 😋, das haben wir jetzt gebraucht. Gerne wollen wir noch das Museum der venezianischen Masken besuchen, doch gemäss der einzigen verfügbaren Infos zu Öffnungszeiten, hat dieses bereits geschlossen (um 15 Uhr, wir haben nun jedoch bereits kurz nach 16 Uhr…). Es wäre noch etwa 30 Minuten zu Fuss dorthin, das lassen wir jetzt also auch bleiben. Nun, dann laufen wir zum Conard und kaufen noch Getränke ein, einerseits für heute und jetzt (wir sind beide noch so durstig!) und auch für den morgigen Ausflug zum Komani-See und Shala-Fluss. Dann gehen wir zurück zur Unterkunft, Wäsche waschen und ausruhen.
Kurz vor 20 Uhr gehen wir nochmals raus, Abendessen ist noch angesagt. Wie gestern flanieren wir durch die Hauptgässchen, landen dann jedoch schneller im Arti’zanave, ich habe dies bereits auf Google Maps entdeckt und gedacht, die Karte klingt noch spannend. Wir setzen uns an ein Zweiertischli und bestellen, heute mal wieder Weisswein („Verë e bardhë“). Das Essen ist, wie fast immer, sehr lecker. Danach schlendern wir, auf meinen Wunsch hin, wieder zu der Pastiçeri von gestern (nicht die ‚Flo‘ aus dem Bild 😉). Wir nehmen zwei Becher mit unbekannten Desserts (kosten zusammen 200 Lek, nicht ganz 2 CHF) für im Apartement. Nach einem letzten Abstecher zu einem ATM schlendern wir zurück und geniessen die Desserts 😋😋. Und dann bald schlafen, morgen müssen wir wieder früh, sehr früh, auf 🫣⏰.


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