Wir gehen die wenigen Schritte zum Busbahnhof und steigen am frühen Morgen in den Bus nach Mostar. Dank der frühen Abreise hält sich der Verkehrsstau zu Beginn noch in Grenzen. Wir fahren der Bucht von Kotor entlang und ich bin entzückt. Flo war auf einer seiner Veloreisen schon mal in der Gegend und hat mir erzählt, dass dies eine sehr schöne Gegend ist. Er hat nicht zu viel versprochen. Wunderwunderschön. Rund um die Bucht nimmt der Verkehr schnell zu und wir stehen vor dem nächsten stopp in Herceg Novi lange im Stau. Irgendwann sind wir durch und fahren weiter (oder ein kleines Stück wieder zurück). Der grosse Bus schlängelt sich ein Bergstrasse hoch – imposant – immer auch wieder der Ausblick. Die Grenze nach Bosnien & Herzegowina passiert der Bus zügig. Ich bin überrascht über die landschaftliche Schönheit von Bosnien & Herzegowina. Irgendwie habe ich ganz etwas anderes erwartet. Vielleicht sind meine Vorstellungen noch geprägt von den Medienberichterstattungen während des Krieges, welche während meiner Jugendzeit sehr präsent waren. Mostar erreichen wir am frühen Nachmittag. Der Busbahnhof befindet sich direkt neben dem Bahnhof und wir entscheiden gleich noch die Bahntickets nach Sarajevo zu kaufen. Morgen am späteren Nachmittag wollen wir weiter. Um unsere Beine zu vertreten laufen wir bis zur Unterkunft – auch wenn es wieder sehr heiss ist 🌞 und es scheint gemäss Routenplan auch gar nicht so weit. Wir gehen und plötzlich bemerken wir, dass wir direkt in den Bazar und somit auch in die Menschenmenge hineinlaufen. Wir mit unseren Backpacks einmal quer durch und plötzlich stehen wir in der Menschenmenge auf der berühmten Stari Most. Es geht nicht anders, ein Erinnerungsfoto muss her 😂. Die Unterkunft bei Biba ist nun nur noch einige hundert Meter entfernt. Uns erwartet eine herzliche, ältere Gastgeberin, welche uns bei der Begrüssung in die Arme schliesst und sofort unser Herz erobert. Gestikulierend erklärt sie uns alles (Flo versteht diese Anweisungen unglaublich schnell). Unser Zimmer befindet sich im ersten Stockwerk, welches wir als gesamtes bewohnen können. „Kava, kava?“ erkundigt sich die Gastgeberin. Wir nicken und so kocht sie Bosnischen Kaffee und bringt diesen auf den Balkon in unserem Zimmer. Wir geniessen diesen und gehen los um Mostar zu besichtigen. Hausschlüssel erhalten wir keinen – sie sei da. Mostar, eine weiterer toller Stopp während dieser Reise. Ich geniesse das schlendern durch den Bazar – eine scheinbar andere Welt. Wir kommen am Museum des Krieges und Opfer des Genozids vorbei und beschliessen spontan, dies jetzt noch zu besuchen. Wir denken, dass es nun in den Abendstunden weniger Besuchende hat, als tagsüber. Schweigend und wohl auch mit der einen oder anderen Träne in den Augen besichtigen wir das Museum – wir sind beide sehr betroffen. Anschliessend haben wir Hunger und setzen uns ins Restoran Neretva, kühlen ein wenig ab und geniessen das Abendessen. Auf dem Rückweg fallen mir immer wieder Schusslöcher an Hausfassaden auf. Diese sind auch jetzt, viele Jahre nach Kriegsende deutlich sichtbar. In der Unterkunft ist die Tür zum Haus offen, wir gehen leise in den ersten Stock. Bereits im Bett hören wir, wie die Haustüre abgeschlossen wird.


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