Erholt wachen wir auf. Neuer Tag, neues Glück. Wir machen uns auf, um erneut zum Bahnhof zu gehen, den Weg kennen wir ja nun. Nach einem kleinen Frühstückskaffee in der Wohnung, gehen wir los. Wir sind nicht die ersten in der Schlange beim Ticketschalter, vor uns stehen drei junge Französinnen. An einem Schalter sitzt dieselbe Frau wie gestern, am Schalter daneben jedoch noch eine andere. Als die Französinnen vor uns dran kommen, bei der anderen Schalterfrau, bekommen wir mit, dass sie denselben Zug wie wir nehmen wollen. Sie werden an den Schalter nebenan verwiesen, zu der uns bereits bekannten Dame. Die Erfahrungen, die sie machen sind ähnlich mit unserer gestrigen. Ohne Ticket stehen die drei kurz darauf etwas nebenan. Nicht viel später stehen auch wir wieder nebenan, ebenfalls ohne Ticket. Es hiess, wir müssen warten. Ich besorge uns mal Kaffee, Denise wartet bei den Ticketschaltern. Wir kommen mit den Französinnen ins Gespräch, sind alle etwas ratlos… Dann kommt uns jemand zu Hilfe, er stand etwas weiter hinten in der Ticketschlange, wartet nun auch und spricht sowohl Serbisch wie auch Englisch. So klärt er uns auf, dass aufgrund von Streiks in Montenegro die Reservation erst noch freigeschaltet werde, etwa um 10 Uhr. Wir müssten bis dahin hier warten, es gäbe aber ausreichend Tickets, er müsse auch in diesen Zug. Etwas erleichtert stehen wir nun hier, trinken unseren Kaffee und warten. Wir beobachten die Schlange und die Schalter mit Argusaugen, wollen nichts verpassen. Und irgendwann ist es dann so weit, wir können wieder in die Schlange stehen. Die Französinnen vor uns kommen dran, erhalten ihre Tickets, dann sind wir dran, nun geht es auch bei uns und etwas später haben auch wir unsere Tickets. Ein 2er-Abteil gibt es zwar nicht, aber für eine Nacht können wir unser Abteil auch teilen, immerhin haben wir jetzt Tickets. Wir sind nun etwas beruhigt.
Und nun meldet sich der Hunger langsam, wir fahren zurück ins Zentrum und spazieren von dort in Richtung Skadarska, ins Bohemische Viertel. Hier entdecken wir die BOEM Bar Brasserie, die auch Essen anbietet und so lassen wir uns hier nieder und essen so gegen 12 Uhr ein Frühstücks-Zmittag. Das Essen ist sehr gut, leicht getrübt wird es nur von einer Gruppe junger Männer am Nebentisch. Sie sprechen Deutsch und benehmen sich arrogant und etwas protzig, bestellen noch Dinge, die sie dann fast unangerührt stehen lassen und unterhalten sich über ihren nächsten Halt in Sarajevo, dort wollen sie schiessen gehen. Einer der vier scheint der Organisator zu sein, der auch Wurzeln hier zu haben scheint. Sie gehen vor uns und wir können danach die Ruhe geniessen.
Gestärkt gehen wir weiter, flanieren noch ein wenig weiter durch die Skadarska bis zu deren Ende. Es hat hübsche Häuschen hier. Hier scheint noch ein Markt zu sein, den wir gleich noch kurz besuchen, wir benötigen sowieso noch Batterien, die wir da dann in einem kleinen Elektroladen finden. Der Besitzer spricht sogar ein wenig deutsch und unterhält sich kurz mit uns. Dann fahren wir mit dem Tram wieder in Richtung unserer Wohnung. Auch hier in Belgrad fahren teils noch alte Trams und Busse aus der Schweiz, auch aus Basel. Das letzte Stück gehen wir zu Fuss. In der Wohnung ruhen wir uns noch ein wenig aus, packen dann und räumen alles wieder auf, stellen das Wasser etc.. wieder ab, so dass wir die Wohnung (hoffentlich) so hinterlassen, wie wir sie angetroffen haben. Danke nochmals, Ana, für die Gelegenheit, deine Wohnung hier benutzen zu dürfen 🤗💐.
Rechtzeitig machen wir uns dann auf den Weg wieder zum Bahnhof, das zweite Mal heute, das dritte Mal in den letzten ca. 30 Stunden. An der Haltestelle decken wir uns in einer Bäckerei noch mit etwas Proviant ein. Frühzeitig sind wir am Bahnhof und setzen uns hier noch in ein Restaurant (FILIALE Street & slow Food), um etwas zu Essen, damit wir für die Fahrt gestärkt sind. Das Essen ist ganz okay für so einen Ort.
Bevor wir aufs Perron gehen, besuchen wir noch kurz das WC. Dann suchen wir unser Perron auf, auch hier sind wir frühzeitig. Kurz vor 20 Uhr fährt dann unser Zug ein und wir können einsteigen. Hier folgt ein kleiner Dämpfer, wir stellen fest, dass unsere Plätze in zwei unterschiedlichen Abteilen sind, immerhin direkt nebeneinander, nur die dünne Wand trennt unsere Betten 😉. Wir sind beide mit einer Familie im Abteil, immerhin, das wirkt einigermassen vertrauenswürdig und beruhigend. Wir haben einen Platz und sind im Zug, das ist schon mal etwas, mit unterschiedlichen Abteilen können wir jetzt gerade leben. Wir versorgen uns noch mit Proviant und Trinken, damit wir beide ausreichend ausgerüstet sind für die Nacht, dann legen wir uns bald schlafen.
Gegen 6 Uhr wird es unruhig im Zug, die Leute erwachen, beginnen zusammen zu packen. Wir sind noch immer in Serbien, also noch weit von unserem Ziel an Montenegros Küste in Bar entfernt. Wir bleiben erst einmal entspannt, bis wir irgendwann realisieren, dass der Zug nicht mehr weiter fährt und wir hier auf Busse umsteigen müssen. Also packen wir in aller Eile auch zusammen und machen uns bereit. Dann heisst es Aussteigen und wir gehen der Masse nach bis zu den Bussen. Es stehen mehrere Cars bereit, mit unterschiedlichen Endzielen, wir sind etwas verloren im ganzen Trubel, ich denke mir, das wird sich schon klären, wir werden einen Platz finden und ans Ziel kommen. Denise ist etwas gestresster, wie ich kurz darauf merke. Sie wird etwas fordernder, ich solle jetzt schauen, dass wir einen Platz haben. Sie ist den Tränen nahe und am Verzweifeln. Ich bin gerade auch überfordert. Doch es zeigt Wirkung, schnell wird geschaut und uns mitgeteilt, dass wir in diesen Car einsteigen können, der fahre nach Bar. Wir laden unsere Rucksäcke ein und steigen in den bereits ziemlich vollen Bus. Es hat noch zwei freie Sitzplätze direkt hintereinander, doch die Familie, die hier einige Plätze belegt macht uns gleich klar, dass sie uns Plätze frei machen, damit wir nebeneinander sitzen können. Und so sitzen wir kurz darauf nebeneinander im selben Bus nach Bar. Wir sind der Familie dankbar für ihre Unterstützung und Bereitschaft, uns nebeneinander sitzen zu lassen. So fahren wir dann los in Richtung Bar.
Die Fahrt verläuft angenehm, wir machen nach einiger Zeit einen Stopp, da können wir die Beine vertreten, aufs WC und einen Kaffee trinken. Neben uns an der Bar sitzt der Chauffeur, er erkundigt sich, wie es uns geht und meint, dies sei „real balkan“ 😅. Danach fahren wir weiter. Es geht durch das montenegrinische Bergland, wunderschöne Ausblicke auf bewaldete Berglandschaften, Schluchten und Ebenen. Es ist eher bewölkt, Bergwetter eben. Wir kommen auf eine Autobahn, diese ist sehr neu, auf der Velotour 2019 habe ich den Bau noch gesehen, durchgeführt von chinesischen Firmen mit chinesischen Arbeitern, alles in Chinesisch angeschrieben damals… So kommen wir kurzzeitig schneller voran. Es geht durch Podgorica und dann erreichen wir bald schon den Skutarisee. Hier bieten sich auch sehr eindrucksvolle Blicke auf die Seelandschaft, eine schöne Gegend… Es folgt der Tunnel, der uns an die Küste bringt, hier beginnt es mit Stau. Und an der Küste kommen wir dann nur noch langsam vorwärts, viel Verkehr. Irgendwann erreichen wir Bar, doch da müssen wir noch einmal quer durch, mit zahlreichen weiteren Autos. Nur langsam kommen wir voran.
Irgendwann haben wir es dann geschafft und sind, unweit des Bahnhofs Bar, angekommen. Wir steigen aus dem Car, nehmen unsere Rucksäcke wieder an uns und atmen durch…


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